Mittlerweile wissen ja selbst die, die noch nie einen Computer bedient haben, daß ein Unternehmen namens “google” mit Autos und darauf montierten Kameras durch Deutschland fährt und alle paar Meter Fotos macht. Und plötzlich haben alle Angst und schreien nach Privatsphäre. Aha.
Was das mit mir bzw. dem Blog zu tun hat? Ich fürchte: eine ganze Menge. Wenn tatsächlich dem Geschrei der wenig informierten Öffentlichkeit (und der Boulevard-Presse) nachgegeben wird, hat dies u.U. fatale Folgen für die Kunst-, Presse- und Medienfreiheit in Deutschland.
Erstmal: es gibt in Deutschland eine sog. “Panoramafreiheit”. Jeder darf von öffentlichen Straßen und Gehwegen aus fotografieren und diese Bilder veröffentlichen. Fertig. Kein Hausbesitzer hat das Recht, jemandem das Fotografieren von einer öffentlichen Straße aus zu verbieten. Ob nun google-Auto oder Hans Müller mit Stativ auf dem Bürgersteig – es ist egal, die Panoramafreiheit gilt für alle.
Es gibt ein paar strittige Punkte, z.B. was die Kamerahöhe angeht. Meines Wissens nach gilt eine Maximalhöhe von 2,50m, allerdings bin ich kein Jurist und es gibt – wie so häufig – auch unterschiedliche Gerichtsurteile dazu. Die Kameras auf dem google-Auto sind zw. 3 bis 4 Meter hoch.
DAS wäre ein Punkt, aber auch so ziemlich der einzige, der an der Street View-Aktion strittig wäre.
Was würde blinder Aktionismus nun bedeuten? Verschwindet die Panoramafreiheit? Nach Zensur-Ulla und der allumfassenden Kommunikationsüberwachung nun das Foto- und Videoverbot im öffentlichen Raum? Wenn google nicht darf, darf denn dann noch Hans Müller? Wohl eher nicht. Pressefotos auf öffentlichen Straßen bzw. auf öffentlichem Gelände wären demnach undenkbar – im Hintegrund wäre ja ein Haus zu sehen und die Privatsphäre des Bewohner könnte gefährdet sein…
Und genau die Leute, die am lautesten Schreien, nutzen natürlich sofort die Gelegenheit, sich von der Lokal- und/oder Boulevardpresse vor dem Haus ablichten zu lassen. Großartig konsequent und sehr logisch.
Je nach Formulierung eines möglicherweise kommenden Anti-google-Gesetzes (wollen wir es mal nicht hoffen) wäre die Panoramafreiheit und damit die Pressefreiheit stark gefährdet. Und demnächst gibt’s dann für jeden Blick in Nachbar’s Vorgarten eine Abmahnung…
Also: Finger weg von der Panoramafreiheit! Alles ist gut, wie es ist.